Dienstag, 9. Mai 2006

Medientreffpunkt Mitteldeutschland I

1. Panel: Podcasting - Der Weg zur selektiven Mediennutzung

Die ersten eineinhalb von sieben Stunden auf dem Medientreffpunkt Mitteldeutschland: Das Panel zum Thema Podcasting. Auf dem Podium Hans-Joachim Fuhrmann, Leiter des Geschäftsbereichs Multimedia des BDZV; Georg Maas vom mdr; Rüdiger Steinmetz vom IfKMW der Uni Leipzig; Andreas Albrecht von der dpa-Tochter AFX, die Podcasts für das Handelsblatt produziert bzw. für den Kicker und "eine überregionale Tageszeitung" demnächst produzieren wird; und Michael Rediske vom Verein Berliner Journalisten als Moderator. Kein von sich aus aktiver Podcaster dabei. Na gut, dies ist ein recht geschlossener Branchentreff, und hier geht es darum, ob und wie die klassischen Medien auf Podcasts reagieren sollen oder müssen.

Einigkeit in der Prognose: Podcasts werden zukünftig (Fuhrmann: "noch in diesem Jahr") deutlich häufiger von klassischen Medien integriert werden. Einigkeit auch, was die Inhalte angeht: Nur die "Verlängerung von Content" kann's nicht sein (Steinmetz), und nur damit werde man auch keinen Erfolg haben (Albrecht). Die Chance liege vielmehr in Zusatz-Content (Steinmetz, Fuhrmann), der es so nicht ins Blatt geschafft hätte, z.B. weil er zu speziell ist.
Aus dem Publikum kommt und versandet die Kritik, daß die Profis in den Medienunternehmen im Gegensatz zu den Amateuren Podcasts nebenbei und lieblos machten, der eigene Umgang und eine eigene Ästhetik fehlten.

Nach einer merkwürdigen Abzweigung zur Frage, ob man es nicht besser vermeiden solle, mit dem Begriff "Podcast" permanent Werbung für Apple zu machen, eine Diskussion über den Rundfunkbegriff und seine Eignung in diesem Fall. Für Maas vom mdr sind Podcasts Rundfunk (keine Überraschung), für Fuhrmann vom BDZV Individualkommunikation (schon weil er die Regulierung fürchtet).
Interessant der Hinweis von Albrecht: Die Zahl der Podcast-Anbieter steige schneller als die der Nutzer (hat jemand hierzu eine Quelle?). Das ist bei den Blogs anders und wird dort als Argument dafür angeführt, daß die Masse "formerly known as the audience" (Dan Gillmor) doch nicht aktiv und selber Sender sein will.

Geld soll - jedenfalls direkt - mit Podcasts noch nicht und auch auf längere Sicht nicht verdient werden. Es geht allen um die Leser-Blatt-/Hörer-Sender-Bindung. Das dürfte bei den verlagseigenen Weblogs ähnlich sein.

Die Zukunft des Podcastens sehen die Herren eher pessimistisch. Der Grund: "Die Leute wollen lieber sehen als hören." Demnach werden Vodcasts die Audio-Angebote überholen, sobald nur die Technologie stimmt. Das klingt einleuchtend, wenn man es mit Radio und Fernsehen vergleicht - die Nutzungsdauer im Hörfunk ist zwar am höchsten, allerdings als Begleitmedium; Begleitmedium können Podcasts jedoch schlecht sein. Dann wird zwei-, dreimal Riepl bemüht. Maas glaubt, daß das Radio durch Podcasting nicht ersetzt, sondern verändert wird. Es werde zum Spartenradio werden müssen. Einverstanden.

[Edit 10.05.: Bei Bertram Gugel gibt es weitere, umfangreichere Notizen zu diesem Panel.]

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Sherpa

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